St.Nikolai-Kirche

Alt Ruppin

Manche Kirchen sind wie aus einem Guss gebaut, andere im Laufe der Jahrhunderte gewachsen, erweitert und verändert worden. Die Nikolaikirche in Alt Ruppin ist solch ein Patchwork wie man heute sagen würde. Der schon aus der Ferne erkennbare markante Turm auf der Westseite ist jüngeren Datums, gebaut Anfang des 17. Jahrhunderts.

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1846 erhielt der Turm mit drei Giebeln und drei Turmspitzen seine jetzige Gestalt. Der östliche Teil der Kirche, ein Backsteinbau, der sich über einem aus Feldsteinen aufgerichteten Fundament erhebt, stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Diese Grundkonstruktion wurde im Laufe der Zeit durch zwei Anbauten ergänzt – einer im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammenden Südvorhalle mit spitzbogigen Portal und einem schlichten Treppengiebel und im Norden durch den Sakristeianbau.

Im lichten Innenraum der Kirche werden der Kanzelaltar, die Taufe, zwei (vermutlich) frühgotische Standleuchter und zwei Gedenktafeln Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Sowie die Emporenanlage als auch der Kanzelaltar von 1712 sind Werke der Barockkunst.
Links und rechts des Altars stehen zwei Grabmale, wovon eines an den 22-jährigen Joachim Bernd von Zerwest († 1592), des früh verstorbenen Sohnes des Erneuerers der Kirche erinnert.

Gegenüber vom Altar ziert eine Rokoko-Orgel von 1767 die Empore. Sie stammt aus der Werkstatt von Gottlieb Johann Scholtze aus Neuruppin. Die Kirche Sankt Nikolai ist der ideale Ort, um innezuhalten und eine Pause einzulegen.

Die Kirche hat ihren Namen von Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und reisenden Händler. Während Reisen zur Gründungszeit der Kirche überwiegend zum Handel üblich war, wird Reisen heute vorwiegend mit Urlaub in Verbindung gebracht. Viele sagen:

Mein Urlaub ist mir heilig!

Mein Urlaub ist mir heilig!

Doch muss das heißen, dass Urlaube ohne Rücksicht geplant werden?

Urlaubsplanung und Klimawandel
  • Mindestens 8% der weltweiten CO2-Emissionen sind dem Tourismus zuzuschreiben. Dies umfasst Transport, Infrastruktur, Unterkunft, sowie Aktivitäten, Verpflegung und Abfallmanagement. 50,8 % der Tourist*innen weltweit kommen aus Europa.
  • Mindestens 5% trägt der weltweite Flugverkehr durch seinen Ausstoß von CO2, Stickoxiden, und Wasserdampf zur globalen Erwärmung bei. Der Internationale Luftfahrtverband rechnet mit einer Verdoppelung der Flugpassagierzahl zwischen 2016 und 2035 auf insgesamt 7,2 Milliarden jährlich. 95 % der Weltbevölkerung fliegen nie.
  • Je höher das Wohlstandsniveau, desto höher der Wasserverbrauch. Das zeigt sich zu Hause, aber auch auf Reisen.Zum Beispiel verbraucht ein Luxushotel auf Sansibar rund 3.195 Liter Wasser pro Tag und Zimmer für die Gäste. Lokalen Durchschnittshaushalten auf Sansibar stehen insgesamt nur 93 Liter pro Tag zur Verfügung.
  • Privileg: Mit einem deutschen Pass lassen sich 171 Länder ohne Vorab-Visum bereisen. Afghanen hingegen können mit ihrem Pass nur fünf Länder vollkommen visa-frei bereisen.
  • Die Würde und die Rechte der Menschen in den bereisten Ländern werden im Tourismus immer wieder verletzt. Arbeitskräfte werden ausgebeutet, lokale Gemeinschaften vertrieben, Kulturen kommerzialisiert, der Zugang zu natürlichen Ressourcen verwehrt und somit die Chancen zukünftiger Generationen gefährdet.
Buchempfehlung und Link

FAIRreisen
Frank Herrmann

Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen

ISBN: 978-3-86581-808-9
Softcover, 328 Seiten
Erscheinungstermin: 25.07.2016

Welche Tourismussiegel sind seriös? Welche Reiseveranstalter achten auf die Einhaltung von Menschenrechten? Wie kann ich das CO2 meiner Reise kompensieren? Wie wird meine Kreuzfahrt umweltfreundlicher? Wo bekomme ich ökologisch und fair produzierte Trekkingkleidung?

Wer Antworten auf diese und viele weitere Fragen sucht, liegt bei Reisebuchautor und Tourismusexperte Frank Herrmann goldrichtig: Infokästen, Checklisten und ein ausführlicher Serviceteil geben schnell und kompetent Rat. Darüber hinaus ist das Handbuch eine umfassende Quelle der Information für all jene, die sich über die Auswirkungen des Tourismusbooms auf Klima, Umwelt und die Menschen vor Ort informieren möchten – damit Reisen für alle ein Gewinn ist. weniger anzeigen  

Außerdem findet Ihr Tipps zum verantwortlichen Reisen und spannende Artikel zum Thema „Tourismus  Gerechtigkeit Entwicklung“ auf der Seite
 https://www.tourism-watch.de

Eine Weltreise in die Kindheit von Otto Wynen

Nein, wir werden nicht mehr so reisen können wie wir es seit Jahrzehnten gewohnt sind. Wir können nicht so weiterleben wie bisher. Wir können nicht so weitermachen. Zumindest dann nicht, wenn wir die Prognosen der überwältigenden Mehrheit der Klimaforscher ernst nehmen. Tun wir das, dann müssen wir unser Leben ändern. Und um es zugespitzt zu sagen: Wir müssen jetzt damit beginnen. Sofort. Das klingt dramatisch. Aber die Lage der Menschheit, der Zustand unseres Planeten ist auch ein dramatischer. Es fällt uns nur so schwer, das anzuerkennen.

Wir, jeder einzelne von uns, ist verantwortlich. Ohne Wenn und Aber.

Wir müssen uns von einigen lieb gewonnenen und scheinbar selbstverständlichen Gewohnheiten verabschieden. Und dazu zählt auch das Reisen.

Eine Zumutung? Vermutlich. Und mir ist auch bewusst, dass die DDR beispielsweise auch deswegen gescheitert ist, weil sie ihren Bürgern die Reisefreiheit eingeschränkt hat.

Die Freiheit, immer und überall hin zu reisen, halten wir schlicht für unser Grundrecht. Dieses Grundrecht macht Freiheit für die meisten Menschen überhaupt erst erfahrbar.

Und darauf soll man jetzt freiwillig verzichten?

Naja, freiwillig wäre das vermutlich nicht mehr. Eher, würde ich sagen, notwendig. Buchstäblich notwendig.

Zugegeben, das ist starker Tobak, aber um es mal salopp zu formulieren: es ist auch kein Weltuntergang. Ganz im Gegenteil.

Also: was tun?

Reisen, behaupte ich, war immer eine doppelte Erfahrung: eine Erfahrung der Wirklichkeit und eine der Einbildungen. Wobei die Wirklichkeit des Reisens häufig beschwerlicher und prosaischer war, als die zugleich imaginierte – und dadurch beglückende – Zeitreise in ein romantisch überzeichnetes Mittelalter.

Alle unsere Reisen sind bis heute Phantasiereisen. Und Reisen in die „Heimat der Kindheit“.

Wir alle kennen sie, aber nur in ganz seltenen Momenten machen wir sie uns bewusst: es ist das Geräusch einer Straßenbahn oder der Geruch einer Heuwiese oder eines Rosinenkuchens. Es sind die sinnlichen Erfahrungen aus einer Zeit der Geborgenheit, aus einer Zeit der Wunder und des Zaubers – Gerüche, Töne, Bilder, Klänge, Entdeckungen und immer neue Pfade in eine immer neue Welt.

Wir alle haben diese Erinnerungen ganz tief in unserem Innern gespeichert, diese Heimat der Kindheit als ein Ineinander von Abenteuer und Geborgenheit. Diese Heimat ist die Quelle und der Ursprung all unserer Sehnsüchte. Auch – und ganz besonders unserer Reisesehnsucht, unserer Reiselust.

 

Aber was heißt das ganz pragmatisch?

Auf diese Frage gibt es natürlich unendlich viele Antworten.

Ich schlage Ihnen eine vor: kaufen Sie sich ein Brandenburg-Ticket; wenn Sie Rentnerin oder Rentner sind, kostet Sie das im Monat 51 Euro. Und fahren Sie los. Fahren Sie ins Grüne. Oder ins Bunte und erkunden Sie die unbekannte Welt vor ihrer Haustüre. Öffnen Sie ihren Geist, öffnen Sie ihre Seele für die Pracht und die Vielfalt der Welt. Nehmen Sie Urlaub von Ihrem gewohnten Leben.

Sie werden – ich verspreche es Ihnen – bei keiner Weltreise ein größeres Vergnügen finden.

Unser nächstes Ziel: Die Kirche in Wulkow

Von Alt Ruppin nach Wulkow ( 5,6 bis 7,5km)

Wulkow ist keins der klassischen Rad-Ziele der Gegend. Ihr erreicht es zügig, wenn Ihr der Friedrich-Engels-Straße, später Wulkower Chausse, weiter folgt. Allerdings ist die B167 stark befahren! Wir empfehlen darum von der Wulkower Chaussee nach der Feuerwache links abzubiegen auf einen Feldweg, der an einer stillgelegten Bahnlinie entlang führt. Nach ca 4 km überquert Ihr am Bahnübergang die Schienen und fahrt geradeaus an der JVA vorbei bis Ihr wieder die B167 erreicht. Links abbiegen und auf dem Radweg fahren bis rechts die Dorfstraße nach Wulkow hineinführt bis zur Kirche.
Wer lieber Straße fährt, aber die B167 meiden möchte, biegt hinter Alt Ruppin von der Wulkower Chausse rechts ab in den Nietwerder Weg, und hält sich dann im Dorf Nietwerder links um auf dem neuen Radweg nach Wulkow zu fahren.